Rundblick-Kostprobe Nr.2 – Anfänge des VfH

Download PDF

Ein kleines Schmankerl, das euch hoffentlich Lust auf die weiteren interessanten Berichte im Rundblick macht – ein kleiner Abriss über die Anfänge des VfH Worms:

Noch ein Radsportverein?!

Die Hintergründe der VfH-Gründung, von Hans Born

Es war keine Blitzidee 1968 den Verein für Hallenradsport Worms e.V. zu gründen. Schließlich gab es in der Stadt mit der Radfahrervereinigung „Nibelungen“, dem Radrennclub „Endspurt“ und dem Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund „Solidarität“ drei aktive Radsportvereine. Auch im Umland war der Radsport weitaus besser vertreten als heute. Es war eine Dreiklassen-Gesellschaft, die sich beäugte, aber keinen Sport miteinander triebt. BDR-Vereine gab es u.a. in Wörrstadt,  Dalsheim, Ober-Flörsheim, Mölsheim, Flonheim, Armsheim und besonders um Mainz herum. ARRB-Vereine u.a. in Oggersheim, Mannheim, Lampertheim, Gimbsheim und besonders in den Ried-Orten wie Nauheim, Klein-Gerau und Trebur. Große Aktivitäten entwickelten die Vereine des HPRV (Hessisch-Pfälzische Radfahrervereinigung) u.a. in Biblis, Kerzenheim, Bobenheim, Einhausen, Niedesheim und Bockenheim.

Alte Ideologien und eine in den Köpfen immer noch vorhandene Trennung in „Arbeiter“ und „Bürgerliche“ Lager trennten die Verbände. Die älteren Mitglieder konnten die Zeit vor dem Krieg mit unsäglichen Auseinandersetzungen nicht vergessen. Die Jungen hatten das alles nicht erlebt und wollten einfach nur Sport treiben.

Natürlich spielte auch ein gewisser Stolz eine Rolle. Schließlich hatte man vor dem Verbot der Arbeiterorganisationen 1933 etwas vorzuweisen. Die sportlichen Leistungen brauchten sich nicht zu verstecken und auch organisatorisch war man stark. Eigene Arbeiter-Olympiaden gab es. Im Radsport war der ARKB „Solidarität“ mit 330.000 Mitgliedern der Weltgrößte Radsportverband und konnte in Offenbach eine Fahrradfabrik sein Eigentum nennen.

Die Ortsgruppe Worms der „Solidarität“, 1902 gegründet, betrieb Kunstradfahren, Radball, Korsofahren und Wanderfahren. Eine eigene Halle wurde auf dem freien Turnerplatz neben der Rheinbrücke errichtet und verlangte große Opfer von den Mitgliedern. Zuschuss war ein Fremdwort, alles Eigenleistung und so wurden zum Beispiel Nägel zum Befestigen der Bretter aus benutztem Holz herausgezogen, gerade geklopft und wieder verwendet. Eine Praxis, die auch in den Mangeljahren nach 1945 auf Baustellen gängig war. 1933 erfolge das Verbot aller Arbeiter-Vereine. Sie waren nicht auf Hitler-Linie. Die Halle wurde abgerissen, Vermögen beschlagnahmt. 4 Kunsträder und 4 Einräder konnten gerettet und auf Speichern und Kellern versteckt werden.

Nach 1945 kamen nicht mehr alle ehemaligen Mitglieder wieder aus dem Krieg zurück. Trotz Trümmern, großer Not und manchmal ohne Wohnung, hatten eine Mitglieder die „Solidarität“ nicht vergessen. Wo trainieren ohne Hallen? Die Räder hätten neue Reifen gebraucht, es gab aber keine. Der ARKB Worms entwickelte sich trotz aller Schwierigkeiten recht gut, war sehr gefragt bei Schaufahren, nicht nur in Worms, und hatte bald enorme Erfolge bei Meisterschaften. Deutsche Meistertitel wurden reihenweise errungen und gleich viermal erhielt man die „goldene Kette“ für den erfolgreichsten Hallenradsport-Verein des Jahres in der „Solidarität“. Da war aber ganz in der Nähe auch der erfolgreichste Verein des BDR, der RV Wörrstadt.

Die Sportler der verschiedenen Verbände sahen sich, redeten miteinander, konnten aber keinen Sport miteinander treiben. Zwei Hindernisse gab es dabei:

  1. Der BDR war Mitglied im Deutschen Sportbund. Andere Radsportverbände konnten nicht, da der DSB in seiner Satzung verankert hat, dass nur ein Verband pro Sportart zugelassen ist.
  2. Der BDR war auch Mitglied der Union Cycliste Internationale (UCI) mit der gleichen 1-Verband-Regel. Die UCI vergibt über die National-Verbände Lizenzen für ihre Sportler und Lizenzträger dürfen nur gegen lizensierte Sportler Wettkämpfe betreiben.

Diese Hindernisse waren jahrelang an der Tagesordnung und führten zu heftigen juristischen Auseinandersetzungen bis hin zum Bundesgerichtshof. Der Chronist erlebte als Bundes-Fachwart der „Solidarität“ diese z.T. sehr persönlichen Diskussionen und musste mit anderen resigniert feststellen: dieses Problem kann nur die Zeit lösen.

Die 1-Verband-Regel hatte in Worms auch weitere Auswirkungen. In Gesprächen hörte man das Nichtverstehen für die unbedingte Eigenständigkeit des ARKB. Andere Sportarten wie Turnen, Schwimmen und Ringen waren längst in EINEM Fachverband. Nur der Radsport trug jährlich 2 deutsche Meisterschaften aus. Nicht nur in Verwaltungen verstand man das nicht, auch die Presse hatte ihre Vorbehalte.

Unsere Sportler waren längst an ihre Grenzen gestoßen. Es musste eine Lösung her. Die alten Mitglieder wollten bei der „Solidarität“ bleiben. Für die Sportler gab es nur die Lösung zum BDR zu wechseln. Für die Zukunft wollte man dem Nachwuchs besser Perspektiven bieten und international in Erscheinung treten können. Es ging ganz einfach um bessere Aussichten und Anerkennung! Die ARKB-Ortsgruppe bestehen zu lassen hatte noch einen weiteren Grund: In der Bundes-Satzung stand: „Ortsgruppen-Eigentum ist Bundes-Eigentum“. Bei einer Auflösung oder einem Verbandswechsel wäre das gesamte Vermögen mit zahlreichen Rädern weg gewesen. Also gab es nur einen Weg: Die ARKB-Ortsgruppe bleibt wie sie ist und ein neuer Verein, der VfH als Mitglied im BDR wurde gegründet.

Heute kann man feststellen: Der Schritt war richtig! Der VfH hat sich gut entwickelt. Der VfH ist in der Wormser Sportlandschaft nicht unbedeutend. Vor allem aber haben unsere Sportler alle nationalen wie internationalen Möglichkeiten. Sie sind gleichberechtigt in der gesamten Sportfamilie.

Hier geht es zum Rundblick und vielen weiteren interessanten Artikeln:

VfH Rundblick 2017 [Stand 27.11.17]
VfH Rundblick 2017 [Stand 27.11.17]
VfH-Rundblick-2017-Stand-27.11.17.pdf
Version: 27.11.17
18.0 MiB
283 Downloads
Details

Spread the word. Share this post!

Hallenradsport in Worms